11. Marburger Nachtmarathon 2013

Marburg Nachtmarathon 2013 Marktplatz

Am Freitag war es endlich so weit, ich bin tats├Ąchlich meinen ersten Halbmarathon gelaufen. Und dies trotz gro├čer Bedenken im Vorfeld. Bisher hatte ich immer gute Gr├╝nde gefunden, Volksl├Ąufe zu meiden. So bin ich z. B. kein Freund gro├čer Menschenansammlungen und bef├╝rchtete au├čerdem, mich durch ein Pulk von L├Ąufern k├Ąmpfen zu m├╝ssen, um mein eigenes Tempo laufen zu k├Ânnen.

Nicht zuletzt scheiterte ich stets auch an der Frage nach der Motivation. Welche Zielzeit sollte ich anvisieren? Ist es realistisch, seine pers├Ânlichen Rekorde bei einer solchen Laufveranstaltung zu brechen oder geht es lediglich darum, anzukommen? An welcher Stelle sollte ich versuchen zu starten? All diese Fragen kann man vermutlich erst dann vern├╝nftig beantworten, wenn man mal an einem solchen Laufevent teilgenommen hat. Und wo lie├če sich diese Erfahrung besser machen, als bei einem Event direkt vor der Haust├╝r, auf der eigenen Stammstrecke?

Eine Teilnahme machte in meinen Augen jedoch nur dann Sinn, wenn ich auch in der Lage w├Ąre, die Strecke in meinen Huaraches durchzustehen. Doch da ich bis vor einer Woche lediglich L├Ąufe bis zu zehn Kilometern in den Traditional Lunas absolviert hatte, war ich mir meiner Sache nicht so sicher. Letzte Testl├Ąufe ├╝ber 13 km am vergangenen Sonntag und ├╝ber 14 km am Mittwoch, machten mir schlie├člich Mut, mich der Herausforderung Halbmarathon zu stellen.

Etwas nerv├Âs, ob der Ungewissheit, was mich wohl erwarten w├╝rde, machte ich mich auf den Weg zum Startpunkt, dem historischen Marktplatz in der Oberstadt. Und wenn man ohnehin schon dorthin unterwegs ist, um an einer Sportveranstaltung teilzunehmen, quetscht man sich auch nicht in einen engen Oberstadtaufzug, sondern nimmt stattdessen die Treppen. So kommt man schon mal auf Betriebstemperatur. Mittlerweile hatte ich mir auch ein Ziel gesetzt. Klar, Durchkommen hatte oberste Priorit├Ąt, aber insgeheim peilte ich eine Zielzeit von unter 1:45 Stunden (4:57 min/km) an und schielte sogar etwas ├╝berm├╝tig auf eine Zeit von 100 Minuten (4:43 min/km). Wohl wissend, dass das schon recht ambitioniert war, f├╝r den ersten Halbmarathon ├╝berhaupt.

Als ich ankam, war der Marktplatz bereits hoffnungslos ├╝berf├╝llt. Mit 2076 Teilnehmern konnte auch gleich ein neuer Rekord verbucht werden. Da ich keine gro├če Lust darauf hatte, mich durch die Menge nach vorn zu dr├Ąngeln, wartete ich geduldig, bis sich die Reihen gelichtet hatten. Etwa vier Minuten nach dem Startschuss, trat ich schlie├člich bei herrlichem Sonnenschein ins Rennen ein. Die ersten hundert Meter, die mich ├╝ber das Kopfsteinpflaster der Barf├╝├čerstra├če (welch Ironie) f├╝hrten, hatte ich noch freie Bahn, doch schon bald darauf k├Ąmpfte ich mich durch ein Pulk von L├Ąufern. Mal rechts, mal links vorbei, mal wich ich auf den B├╝rgersteig aus…

Bild von Oliver Feigl aus Beitrag 16. Marburger Nachtmarathon 2013 auf www.myheimat.de

Und ehrlich gesagt war ich mir nicht so sicher, ob das eine gute Strategie war, schlie├člich kostet das Kreuzen und Beschleunigen definitiv mehr Kraft, als ein einheitliches Tempo. Doch ich nahm an, dass es sinnig sei, mich nach vorn zu arbeiten, ehe der Kurs die Stra├čen verl├Ąsst und ├╝ber schmalere Radwege f├╝hrt. Als ich die erste Zwischenzeit ├╝ber den Kopfh├Ârer angesagt bekam, f├╝hlte ich mich in meinem Vorhaben best├Ątigt. Eine Pace von 4:47 min. entsprach ziemlich genau meinen Vorstellungen.

Mit den Kilometern bekam ich immer mehr Sicherheit in meinen Lauf. Mein Gef├╝hl sagte mir, dass ich dieses Tempo bis zum Ende durchhalten k├Ânnen w├╝rde. Diese Einsch├Ątzung betraf jedoch lediglich meine konditionelle Verfassung. Ob meine F├╝├če die 21 km in den Huaraches auch schadlos ├╝berstehen w├╝rden, dar├╝ber vermochte ich nicht zu urteilen.

Bis zum zw├Âlften Kilometer ├╝berholte ich noch viele L├Ąufer, ehe sich die Reihen langsam lichteten und die L├Ąufer um mich herum l├Ąngere Zeit die gleichen blieben. Bis hierhin lag meine Pace bei 4:43 min., was tats├Ąchlich eine Zielzeit von etwa 1:40 Stunden bedeutet h├Ątte. Kurze Zeit sp├Ąter, bei Kilometer 14, begann aber pl├Âtzlich mein linker Fu├č zu schmerzen. „Schei├če, hoffentlich ist das nur ein bisschen Sand, der da reibt und nicht schon eine Blase, die droht aufzuplatzen…“

Dieses Gef├╝hl kenne ich leider schon. Sobald eine Blase unterm Fu├č aufplatzt, ist die Messe praktisch gelesen. Sieben Kilometer kann man damit definitiv nicht mehr durchstehen. Ich drosselte das Tempo etwas, achtete penibel darauf, die schmerzende Stelle beim Auftreten etwas zu entlasten und hoffte das Beste. Das klappte ├╝berraschend gut, bis der Kurs ├╝ber einen Schotterweg und anschlie├čend ├╝ber Gras f├╝hrte. Ersteres ist in diesen Huaraches – aufgrund der extrem d├╝nnen, profillosen Sohle – nicht sehr angenehm. Noch dazu mit wunden F├╝├čen. Da musste ich schon ein bisschen auf die Z├Ąhne bei├čen.

Marburg Nachtmarathon 2013 Zieleinlauf, Jogging Sucks

Nach diesem schweren Kilometer, trennten mich aber nur noch vier weitere Kilometer von der Ziellinie. Der Schmerz hatte sich gelegt und ich zog das Tempo wieder etwas an. Jetzt war ich mir sicher, dass ich es packen w├╝rde. Ein tolles Gef├╝hl. Die letzten Kilometer waren zum Genie├čen und die letzten hundert Meter, vorbei an den jubelnden Zuschauern, hinein ins Uni-Stadion und ├╝ber die Tartanbahn, waren grandios. Es f├╝hlte sich an, als lief ich ├╝ber Wolken, so sch├Ân federnd war jeder meiner Schritte. Auf der Zielgeraden, setzte ich dann zum Endspurt an und ├╝berquerte die Ziellinie bei 1:45:07 Stunden mit einem L├Ącheln im Gesicht.

Da ich mit etwas Versp├Ątung ins Rennen gestartet war, ergibt sich eine Nettozeit von 1:41:02 Stunden. Aber ehrlich gesagt war und ist das nebens├Ąchlich. Es war ein wirklich tolles Erlebnis! Ich h├Ątte nie f├╝r m├Âglich gehalten, dass die jubelnden Zuschauer und die vielen Mitl├Ąufer so leistungsf├Ârdernd und euphorisierend wirken k├Ânnen. Und das Allerwichtigste ist, dass ich nahezu ├╝ber die gesamte Distanz ein L├Ącheln auf den Lippen hatte. Ich habe jeden Schritt genossen (abgesehen von denen ├╝ber Schotter nat├╝rlich) und das ist es doch, warum wir ├╝berhaupt laufen.

Nach meinem ersten Halbmarathon bin ich mir nun sicher, das wird ganz sicher nicht mein letzter gewesen sein. Ich habe Blut geleckt… Insgeheim schiele ich schon auf einen Marathon, aber es empfiehlt sich wohl, jetzt nicht gleich ├╝berm├╝tig zu werden…

2 Kommentare

  1. Cool!!! Gl├╝ckwunsch zu dieser super zeit! ich bin vor 2 wochen auch meinen ersten Halben gelaufen! aber "nur" in 2h 4min.

    Aber mir gings im Ziel wie dir: die zeit ist nebens├Ąchlich… das gef├╝hl muss man einfach erlebt haben! ich bin auch mega angefixt und werde sicherlich dran bleiben und "weiter laufen".

    1. macht irgendwie s├╝chtig, nicht wahr? – ich genie├če es ja schon einfach so durch w├Ąlder und wiesen zu laufen, aber in der gruppe war das noch mal was ganz anderes. es fiel mir wesentlich leichter, daher auch die recht gute zeit. h├Ątte nicht f├╝r m├Âglich gehalten, dass laufen ein solches soziales ph├Ąnomen ist… ­čśë

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